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Die OP und das Leben geht weiter

"ein paar Monate", "vielleicht ein Jahr" aber das Erreichen des Jahreswechsels 2012/13 war schon mit vielen Fragezeichen versehen. Statistische Überlebenschance unter 5%. Jedoch: Die erste Prognose habe ich bereits überlebt und auch die zweite und die dritte werde ich überleben. Ich habe mich stets gefragt "warum ich?" Meine Antwort ist: "weil ich stark genug bin dies durchzustehen." Mein Dad hielt nichts von deutschen Ärzten, da kann kommen wer mag, er erkennt auch dem besten Neurochirurgen jegliche Fähigkeiten ab. So kam es dass er mit einem der besten Neurochirurgen aus den USA Kontakt aufnahm, um meine Operation zu organisieren. Die Operation sollte mit großen Risiken verbunden sein. Die Ärzte erklärten sie mir alle, unter anderem körperliche und geistige Behinderungen. Nach meinem Verständnis drohte mir auch der Tod. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen zu leben hätte, war ich doch stets erfolgreich, sportlich, Motocrossfahrerin, Triathletin (jaaa mein Schatz ich weiß, es ist schon bald 10 Jahre her Ich sollte also operiert werden, nicht irgendwo am Blinddarm oder einer Stelle die niemand sieht! Sondern am Kopf! Mir würde der Schädel aufgesägt werden. Ohne Zweifel, ich war am Tiefpunkt meines Lebens angelangt, Ground Zero! 30 min. vor der OP bekam ich mein Ausgehoutfit angezogen, Flügelhemd, Anti-Thrombosestrümpfe, und einen dieser fürchterlichen Netzslips von denen man nie weiß, wo vorne oder hinten ist. Früh am Morgen bekam ich die Narkose, die 10 Stunden anhalten sollte, aus 10 Stunden wurden 12 Stunden. Man hatte meinen Kopf mit Hilfe eines Gestells fixiert, mein Schädel wurde geöffnet und so viel Tumormasse wie möglich entfernt. In regelmäßigen Abständen ließ man mich wach werden, da der Tumor in Nähe meines Motorik/Sprachzentrums saß. Von den Übergängen vom Schlaf- zum Wachzustand hatte ich am meisten Schiss, im Nachhinein stellte sich die Angst als völlig unbegründet heraus, denn man bekommt reichlich "scheißegal-Mittel" Von der Neuropsychologin bekommt man bei der OP Fragen gestellt, in etwa: "Können Berge niesen" "können Zahlen sprechen" oder "können Hunde bellen" so wird ermittelt, in wie weit Tumorgewebe entfernt werden kann, ohne das Ausfallerscheinungen ausgelöst werden. Bei der Operation hatte ich das Pech, das ein Hirngefäß platzte und bei mir einen Hirninfarkt auslöste, welcher jedoch von den operierenden Ärzten glücklicherweise noch rechtzeitig gestoppt werden konnte. Hätten die Ärzte nicht so schnell gehandelt, hätte diese Blutung mein Exitus bedeutet. Jeder Urmacher würde angesichts der Präzision dieses filigranen Werkes der Neurochirurgen erblassen. Um mein Gehirn und meinen Körper nach dieser äusserst belastenden OP zu schonen, versetzte man mich in ein künstliches Koma, welche dem Zweck dient, sämtliche Körperfunktionen auf ein Minimum herunterzufahren. Ich habe in meiner Komazeit sehr viel durchlebt, geträumt und etliche Wahrnehmungen gehabt. Alle diese Träume und Wahrnehmungen kann ich heute noch, wie in einer "Videothek" abrufen. So realistisch, aber auch abgedreht das war und deswegen beunruhigend und unheimlich. Ich spürte die Anwesenheit der Weißkittelträger, sowie meiner Familie, von denen rund um die Uhr immer jemand anwesend war,ich hörte sie weinen, ich selbst war hingegen unfähig mich zu bewegen, unfähig zu sprechen oder mich in irgendeiner Weise bemerkbar zu machen. Alle Geräusche waren leiser und undeutlicher und nur ein seltsames Pfeifen erfüllt das Gehör, die Sinne verschwinden, ein metallischer Geschmack liegt auf der Zunge, der ganze Körper war taub, schlaff, während im Kopf nur Leere ist. Nichts, kein Zeitgefühl, nur wenige Gedanken, aber intensive Träume. Aufwachphase: Irgendwann erscheinen Stimmen, Erinnerungsfetzen, die Position der eigenen Körperteile, schließlich die Gesichter um mich herum und Stück für Stück setzt sich die Welt in meinem Kopf wieder zusammen. Ich wache langsam auf inmitten von Geräten, unzählige Kabel und Schläuche, in einem Raum wie in einem Raumschiff. "Wissen Sie, wo Sie sind?", ist die erste Frage, an die ich mich erinnere. Die zweite: "Wissen Sie, wie Sie heißen?" Die Fragen werden von den Pflegern und Schwestern immer gestellt, wenn ein Patient aus dem Koma erwacht oder wenn "der Aufwachraum kommt", wie sie es nennen, wenn also ein Patient auf die Intensivstation geschoben wird, der aus der Narkose aufwacht. Diese Fragen dienen dazu, sich zu vergewissern, ob der Patient verwirrt oder bei Sinnen ist. Ob ich bei Sinnen war, weiß ich nicht. Nachdem ich endgültig wach war wurde war ich wie auf Drogen, aufgrund der Schmerzmittel. Habe hektoliterweise TRAMAL bekommen, ein Morphium Derivat. OP gut verlaufen, Tumorentfernung 95% (wuuuuhuuuu) aber mein Gedächtnis hat einen abbekommen, konnte mich an die letzten eineinhalb Jahre kaum erinnern. Ich kam mir so elend vor, keine eigene Kraft zum Essen, einen Katheter in der Blase, von fremden Menschen gewaschen, an unzähligen Schläuchen und Kabeln angeschlossen.
11.2.14 11:36
 
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