http://my.myblog.de/ap/users.herbsttochter/layout/vollprofi.php?session_id=b7b&blog_id=155498

Alter: 32
 



Werbung



Blog

der Freak und die Wurzel

Hallo liebe Leser,

ich beginne heute diesen Blog, um über mein Schicksal zu sprechen. Ich bin 28 Jahre alt, habe Abitur und habe bislang erfolgreich selbstständig als IT-Servicetechnikerin gearbeitet. Im März 2012 wurde ich im Zug in Hamburg auf der Fahrt nach Lübeck bewusstlos und daher in ein Krankenhaus gebracht. Ich wurde Not-Operiert, weil ich eine Gehirnblutung erlitten habe, verursacht durch ein Aneurysma. Hierbei wurde jedoch nicht erkannt, dass in der rechten Hälfte meines Gehirns ein Gehirntumor liegt, der dringend entfernt werden muss.


In Kopenhagen fand die Operation statt, die zum Glück sehr gut verlaufen ist. Ich hatte großes Glück.

In diesem Blog möchte ich nun über meine Erfahrungen mit meiner Krankheit, meiner Krankenhaus-Odysse vor und nach meiner OP´s berichten und über alle Wege, die ich nun gehe, um wieder ganz gesund zu werden.



Mai 2012...
Alle paar Tage oder Wochen hatte ich für ca. 30 bis 40 Sekunden das Gefühl nicht sprechen zu können. Nach ein paar Sekunden war der Schreck bereits wieder vorüber und ich konnte wieder normal sprechen und mich bewegen. Ich hatte Schwindel, Kopfschmerzen und leichte fokale Anfälle.
Mein damaliger Arzt im Universitätsklinikum Regensburg sagte mir, dies wären Langzeitfolgen meines früheren Schädel-Hirn-Traumas, verursacht durch einen schweren Autounfall 2004.

Juni 2012
Bei der Nachsorgeuntersuchung festgestellt das ein Untermieter in meinem Kopf von mir Besitz nimmt. Fühl mich ausgewaschen und zerknittert -> Waschmaschine 1400 Umdrehungen.


Das Bezirksklinikum Regensburg ist vor allem ein Ort für psychisch kranke Menschen. Glücklicherweise gibt es eine Station für Patienten wie mich, die nur zu einer Beobachtung aufgenommen werden. In einem Zweibett-Zimmer wurde ich zuerst EEG-Kabel für das 24-stündige EEG an meinem Kopf angeklebt. Diese Kabel waren zwei Meter lang und ermöglichten es mir, mich im Zimmer frei zu bewegen, ins Bad zu gehen und vor dem Zimmer Getränke und Essen von einem kleinen Buffet zu nehmen.

Durch das 24-Stunden-EGG wurde versucht die Ströme und Wellen des Gehirntumors zu messen. Da es während meines Aufenthaltes im Krankenhaus jedoch keinen neuen Anfall mehr gab, konnten keine Strömungen während eines Anfalls gemessen werden.

Im Krankenzimmer wurden meine Zimmernachbarin und ich über Kameras beobachtet und einmal pro Tag gebeten für 5 Minuten tief ein- und auszuatmen. Ich merke, wie ich nach ca. drei bis vier Minuten begann zu hyperventilieren. Dies ist eine normale Reaktion auf die tiefe Atmung, da diese eine Belastung für den Körper vorgaukelt und einen ähnlichen Zustand erreicht, wie nach einer anstrengenden Sportart.

Nach einer Nacht im Krankenhaus wurden die Kabel am Morgen entfernt und der Sprachtest fand statt.
Bei dem Sprachtest wurde mein Kopf erneut mit zwei Ultraschall-Kabeln versehen, die erkennen, wann welche Gehirnhälfte mehr in Anspruch genommen wird. Ich musste auf einen Bildschirm schauen, auf dem ein Buchstabe erschien. Beispielsweise der Buchstabe “B”. Nun musste ich mir 30 Sekunden lang Wörter ausdenken, die mit “B” beginnen. Danach musste ich für 10 Sekunden Wörter sagen, die mit “B” beginnen. Das konnten entweder dieselben oder andere Wörte sein, als ich mir in den 30 Sekunden zuvor ausgedacht habe. Insgesamt wurde der Test mit 20 Buchstaben durchgeführt. Nach Ende des Tests war durch die Aufzeichnungen klar zu erkennen, das signifikant die linke Gehirnhälfte immer deutlicher in Anspruch genommen wurde als die rechte. Ich hatte großes Glück! Mein Sprachzentrum sitzt rechts.

Es wurde vormittags das erste MRT meines Kopfes gemacht.

Das MRT dauerte ungefähr 30 Minuten. Ich lag in einer Röhre und durfte den Kopf nicht bewegen. Durch eine Infusion wurde mir Kontrastmittel gespritzt. Hierdurch können die Mediziner erkennen, ob ein Tumor streut oder nicht.

Nach dem MRT ging ich wieder auf mein Zimmer und wartete auf das Ergebnis. Kurz vor dem Mittagessen kam der Neurologe, um mich darüber zu informieren, dass ein gutartiger, nicht-streuender Gehirntumor gefunden wurde. Man nahm damals an, dass es sich um einen diffusen Astrozytom WHO Grad 2 handelte. Es wurde empfohlen den Tumor so schnell wie möglich in einer Neurochirurgie entfernen zu lassen. Ein guter Ort dafür sei das Universitätsklinikum Großhadern.

Die Nachricht, einen Gehirntumor zu haben, hat mich in diesem Moment viel weniger schockiert als ich dachte. Da ich bereits seit einem Tag Medikamente bekam, glaube ich, dass diese einen großen Einfluss darauf hatten, dass ich sehr ruhig blieb. Ich dachte nur daran, dass der Fremdkörper schnell entfernt werden müsste.

Erst in den Stunden darauf beschäftigte ich mich mit dem Begriff Astrozytom. Im Internet war schnell zu finden, dass nur 50% aller Patienten nach fünf Jahren nach der OP noch lebten. Zum Glück konnte ich bereits an diesem Tag entlassen werden.Ich bekam bereits das Medikament Keppra, ein Kortison-Medikament und eine magenschonende Tablette.

Ein Termin bei dem Neurochirurgen Herrn Prof. Dr. Westphal im UKE bekam ich bereits in der kommenden Woche. Somit musste ich nun nur noch drei Tage warten, bis die weiteren Schritte besprochen werden konnten.

Bereits einige Monate vor der Diagnose traten bei mir die ersten Anzeichen auf, das etwas nicht stimmt. Leider waren diese Anzeichen jedoch so klein, dass ich niemals an Vorboten für einen Gehirntumor geglaubt hätte.
5.2.14 11:12


Werbung


Juli 2012

Richtig realisiert hatte ich die Diagnose "Krebs", was es für meine beruflichen sowie privaten Vorstellungen und mein Leben verändern sollte, noch immer nicht. Bei den direkt im Gehirn wachsenden Tumoren unterscheidet man hirneigene Tumore und Hirnmetastasen, die von einer Tumorerkrankung eines anderen Organes ins Gehirn gestreut haben. Nach einer Gewebeuntersuchung wurde festgestellt, daß es sich um einen hirneigenen Tumor, ein sogenanntes anaplastisches Astrozytom handelt. Astrozytome gehören zu den häufigsten Tumoren des Gehirns und treten vorwiegend im mittleren Lebensalter auf. Sie haben ihren Ursprung in den Astrozyten, die zum Stützgewebe (Gliazellen) des Zentralnervensystems gehören, und werden deshalb den Gliomen zugeordnet. Der Grad der Bösartigkeit (Malignität) wird nach einer Biopsie mikroskopisch anhand feststehender Kriterien bestimmt. Die verbreitetste Einteilung von Hirntumoren ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie basiert auf neuropathologisch-anatomischen, histologischen und genetischen Tumormerkmalen. Die Begutachtung des Tumorgewebes unter dem Mikroskop spielt dabei eine wichtige Rolle. Die WHO-Klassifikation unterscheidet vier verschiedene Tumorgrade. WHO Grad I (gutartig) WHO Grad II (noch gutartig) WHO Grad III (bereits bösartig) WHO Grad IV (bösartig) Der WHO Grad I entspricht einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor. Beim WHO Grad IV handelt es sich dagegen in der Regel um einen besonders bösartigen und schnell wachsenden Tumor. Ein anaplastisches Astrozytom hat den WHO Grad III. Bislang wurden die unterschiedlichsten tumorauslösenden Stimuli (Onkogene) für Astrozytome vorgeschlagen. Als übereinstimmender Risikofaktor hat sich die Exposition gegenüber erdölbezogenen Chemikalien (Petrochemicals) herausgestellt. Die klinische Symptomatik ist von der Lokalisation des Tumors im Gehirn oder im Spinalkanal abhängig. In der Regel beginnt sie mit andauernden Schmerzen, Empfindungsstörungen oder auch einer Epilepsie. Später treten oft noch neurologische Ausfälle (beispielsweise Lähmungen) der betroffenen Regionen hinzu. Der Nachweis erfolgt mittels Kontrastmittel im CT oder einer Kernspintomografie. Die Therapie zielt auf eine möglichst komplette chirurgische Entfernung des Tumors ab. Bei den höhergradigen Tumoren kann eine anschließende Bestrahlung des Tumorbereiches notwendig sein. Eine Heilung durch alleinige Chemotherapie ist zur Zeit nicht möglich, diese kann in Kombination mit der Strahlentherapie jedoch die Überlebenswahrscheinlichkeit verbessern. Juli 2012 heute war mein Cyberknife-Termin. Das Konzept für mich zur Verkleinerung des Tumors und Restbestrahlung halten die Ärzte aus Großhadern dort für das Beste. Das Beste, weil die OP-Risiken für mich an der untersten Grenze gehalten werden (und das ist bei einer so komplizierten Lage am Hirnstamm ja nicht unerheblich). Cyberknife ist die Weiterentwicklung des Gammaknife und nur für einen Teil von Tumoren vielversprechend (70% der Anfragen müssen sie dort ablehnen, weil das Verfahren eben nur begrenzt anwendbar ist). Insofern hätte ich "Glück" und die Nebenwirkungen sind gering. Bei meiner Art von Tumor haben sie einen Bestrahlungserfolg von 95%. Dabei hat man eine einmalige Sitzung von 1-2 Stunden. Die Kosten sind erheblich: bei mir ca. 11500 Euro und vorher mit der Krankenkasse zu verhandeln - Glück hat, wer privat versichert ist, die zahlen als eine der wenigen Krankenkassen anstandslos. Seit diesem Zeitpunkt bekam ich des öfteren während der fokalen Anfallsäquivalente Verständnisstörungen, ich kann zwar alles hören, aber die Leute könnten auch chinesisch sprechen, ich konnte es nicht verstehen. Zudem weiterhin Wortfindungsstörungen, Lese- und Schreibschwierigkeiten. Ich litt unter starken Kopfschmerzen, häufigen Schweissausbrüchen und mangelnder körperlicher Belastbarkeit. Zwei Tage nach der Cyberknife-Bestrahlung wollte ich mich ablenken und ging mit meiner Freundin und ein paar Freunden Party machen. Wir befanden uns in einer Diskothek, bis es mir plötzlich schwarz vor den Augen wurde und ich bewusstlos fiel, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert werde. Behandelt wurde ich dort mit dem bekannten Patentrezept: Kortison! Mein größter Dank gilt meiner Freundin, die ich über alles liebe und die einen klaren Kopf bewahrt hat und sofort den Notarzt gerufen hat! Mein Schatz stand mir zu jeder Zeit beiseite und unterstützte mich mit allen Kräften, wich im Krankenhaus nicht eine Sekunde von meiner Seite, Hasi ich liebe Dich!
10.2.14 18:53


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]

Gratis bloggen bei
myblog.de